Helleborus, die Staude des Winters

von

in

Christrose, Lenzrose oder Nieswurz – es gibt viele deutsche Namen für die Stauden, die botanisch zur Gattung Helleborus gehören. Die Zeit dieser ausgesprochen ausdauernden und langlebigen Pflanzen sind der Winter und der Vorfrühling. Sie werden zwischen 15 und 40 cm hoch und blühen je nach Witterung von Januar bis April.
Die weißblühenden Christrosen (Helleborus niger), manchmal auch Schneerosen genannt, werden oft schon ab Ende November in den Staudengärtnereien zum Kauf angeboten. Während viele Pflanzen zum Blühen den Frühling und die wärmende Sonne brauchen, blühen Christrosen im Garten schon nachdem der Schnee getaut ist. „Die weit geöffneten, strahlend weißen Schalenblüten trotzen Schnee und Kälte und verlängern so das Gartenjahr enorm“, berichtet Helleborus-Züchterin Gisela Schmiemann. Ebenfalls sehr beliebte Winterstauden sind Lenzrosen. Dabei handelt es sich um robuste Helleborus orientalis-Hybriden, die ihre Blüten im Februar bis April zeigen. Sie fühlen sich im Halbschatten von Gehölzen am wohlsten. Das dekorative fingerförmige Laub bleibt bis zum Spätwinter grün. Lenzrosen bieten ein attraktives Blütenspektrum von Weiß über Rosa, Dunkelrot bis zu einem gesprenkelten, fast schwarz-metallischen Farbton. Keine Blüte gleicht dabei der anderen. „Lenzrosen verbreiten sich mit der Zeit zahlreich durch Samen“, erklärt die Stauden-Expertin. Dadurch entstehen im Garten immer wieder neue Pflanzenarrangements mit neuen Blüten-Farbmustern. Weit verbreitet ist auch die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus), auch als Palmblättrige Nieswurz bekannt. Ihren uncharmanten Namen verdankt sie dem strengen Geruch der Blätter. Die alkaloidhaltigen Wurzeln wurden früher Schnupftabak beigemischt. Sie ist eine immergrüne, stammbildende Art mit glänzend dunkelgrünem, fächerförmigem Laub. Die Blüten sind hellgrün und haben rote Ränder. „Sie ist ein herrlicher Blickfang im Garten, der früh blüht und sich gut aussät“, so Schmiemann.
Der richtige Standort
Helleborus brauchen ihre Zeit, um sich zu entwickeln. „An geeigneten Stellen, an denen sie ungestört wachsen können, werden sie sehr alt und können sich über Jahrzehnte ohne verpflanzt zu werden, immer schöner entwickeln“, berichtet die Züchterin aus ihrer Erfahrung. Auf Wurzelverletzungen reagiert vor allem die Christrose, die ein flaches Wurzelsystem besitzt, sehr empfindlich. Sie bevorzugt daher Standorte, an denen sie nicht durch Tätigkeiten wie das Graben oder das Hacken gestört wird. „Die Winterblumen sind äußerst pflegeleichte Pflanzen, wenn Sie den richtigen Platz im Garten haben“, weiß Schmiemann. Helleborus sind empfindlich gegen Staunässe, halten aber im Winter und zur Blütezeit im Frühjahr reichlich Feuchtigkeit aus. Sie brauchen durchlässige, lehm- und kalkhaltige Böden und vertragen Sommertrockenheit. Diese Voraussetzungen sind oftmals in der Nähe von Gehölzen gegeben. Vor allem bei der Christrose ist ein kalkhaltiger und durchlässiger Boden absolut notwendig, sonst verschwindet die Pflanze nach wenigen Jahren. Eine Anreicherung des Bodens mit Sand und Humus kann etwas Abhilfe schaffen. Weniger anspruchsvoll sind die Lenzrosen, die sich mit fast jedem Boden zufriedengeben und ein tieferes Wurzelwerk besitzen. Die Pflanzen würden sowohl im Schatten als auch in der vollen Sonne gedeihen, dann muss jedoch auf genügend Feuchte im Boden geachtet werden. Eine Düngung kann im Frühjahr mit Dolomitkalk erfolgen, der auch den pH-Wert des Bodens etwas anhebt. Unschöne Blätter können abgeschnitten werden. Wer Helleborus umpflanzen möchte, tut dies am besten in den Wachstumsphasen im Frühjahr oder Herbst. Wichtig ist es, die Teilung oder das Umpflanzen außerhalb der Ruhephase vorzunehmen, damit sie gut weiterwachsen. Eine Mulchschicht aus herabgefallenem Laub des Vorjahres fördert das Bodenleben, etwa durch Regenwürmer, und verhindert so das Austrocknen. Zusätzlich wird der Boden dadurch besser durchlüftet.
Gut kombiniert
„Ihre frühe Blütezeit macht Helleborus zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Gartens im Vorfrühling“, sagt Stauden-Liebhaberin Schmiemann. Sie eignen sich sowohl als Solitär-, als auch als Rabatten-Pflanze. Klassische Kombinationen bilden Helleborus mit frühen Zwiebelblühern wie Schneeglöckchen (Galanthus), Busch-Windröschen (Anemone nemorosa), Alpenveilchen (Cyclamen coum) oder dem Leberblümchen (Hepatica nobilis), das die Blütezeit der Christrose im März-April fortführt. „Achten Sie darauf, dass die Partner nicht zu wüchsig sind und die Helleborus überwuchern“, rät die Expertin. Christrosen bevorzugen den lichten und warmen Schatten. Sie lassen sich eindrucksvoll mit Gehölzen kombinieren, die im Herbst und Winter besonderen Zierwert haben. Gemeinsam bilden Sie einen besonderen Blickpunkt im Garten. Als geeigneter Partner für den Christrosen-Auftritt dient beispielsweise der rote Hartriegel (Cornus alba ´Sibirica´) mit seinen intensiven roten Trieben. Auch der Eisenholzbaum (Parrotia persica) mit harmonischem langsamem Wuchs und auffälliger Herbstfärbung eignet sich als Hintergrundpflanze hervorragend. In der kalten Jahreszeit kommen die Frühblüher besonders im Vorgarten, im Eingangsbereich oder an einem Platz im Garten, der vom Haus aus einsehbar ist, zur Geltung. Eine prächtige Wirkung haben Helleborus in Gruppen, da sich Laub und Blüte deutlich vom winterlichen Garten abheben. Auch Farne, Primeln (Primula), das unverwüstliche Lungenkraut (Pulmonaria) oder wintergrüne Schattengräser (Carex, Luzula) sind anmutige Pflanzpartner für Helleborus.
Wussten Sie schon, dass…
die Schneerose aufgrund der frühen Blütezeit und ihrer auffälligen weißen Blüten schon im 16. Jahrhundert in den mitteleuropäischen Gärten zu finden gewesen ist? Das frühe Vorkommen ist auch darauf zurückzuführen, dass die Pflanze damals in der Medizin zur Heilung von Geisteskrankheiten und als abführendes, harntreibendes Mittel genutzt wurde. Besonders im 19. Jahrhundert entstanden viele Zuchtsorten, die größere Blüten und einen reicheren Blütenansatz als die Wildart hatten. Der volkstümliche Name „Schneerose“ bezieht sich auf die frühe Blütezeit, „Christrose“ hingegen weist auf die Tradition hin, die Pflanzen so zu kultivieren, dass sie zur Weihnachtszeit blühen. Einer Legende nach soll der Name Christrose folgenden Ursprung gehabt haben: Ein armer Hirte war auf dem Weg nach Bethlehem. Da er kein Geschenk bei sich trug, dass er dem Jesuskind überbringen konnte und er in der kalten Jahreszeit keine Blumen am Wegesrand fand, weinte er bitterlich. Doch als seine Tränen auf die Erde fielen, entwickelten sich aus ihnen Blüten so schön wie Rosen. Überglücklich überbrachte der Hirte die „Christ-Rosen“ als Geschenk dem Jesuskind. So schön Helleborus auch anzusehen sind: Als Familienmitglied der Ranunkel­gewächse sind alle Arten giftig. Der Saft der Christrose ruft auf der Haut und der Schleimhaut eine starke Reizung mit Entzündungen und Blasenbildung hervor. Beim Verzehr kann es zu Erbrechen, Durchfall und Magenschmerzen kommen. Das liegt an Inhaltsstoffen wie Saponine oder Helleborin, die in allen Pflanzenteilen, besonders im Wurzelstock, enthalten sind.
Staudentipp des Monats
„Christrosen sind hervorragende Schnittblumen mit einer sehr langen Haltbarkeit“, sagt Stauden-Expertin Schmiemann. Wenn ein bis zwei Staubblattkreise offen sind, kann man die Blüten schneiden. Die wachsüberzogenen Blütenschäfte stoßen jegliche Feuchtigkeit von ihrer Oberfläche ab, deshalb schneidet man zur besseren Wasseraufnahme die Stiele von unten kreuzweise ein oder ritzt sie seitlich mit einer Nadel an. Die Haltbarkeit im Wasser beträgt zehn bis zwölf Tage. Ein kühler Platz verlängert die Haltbarkeit enorm. Auch die grau-grünen Blätter und hellgrünen Blüten der Nieswurz (Helleborus foetidus) sind sehr haltbar und werden gerne in der Floristik verwendet. Besonders frühblühend ist die Sorte Helleborus niger ´Praecox´, die je nach Witterung schon im Dezember die ersten weißen Blüten zeigt und sich zum Schnitt eignet. Helleborus sind durch ihre frühe Blütezeit generell eine sehr gute Bienenweide. Auch im Topf machen die Stauden des Winters eine gute Figur. Geschmückt mit Tannenzapfen, Kugeln, Reisig und Rinde passen sie sehr gut in den winterlichen Topfgarten. Eine begrenzte Zeit lang können die Pflanzen auch als blühender Topfschmuck im Zimmer dienen. Sie sollten jedoch nicht allzu lange in der trockenen Zimmerluft verbleiben, wenn Sie noch ausgepflanzt und im Garten weiterwachsen sollen. Aufgrund ihres kompakten Wuchses und der langen Blütezeit eignet sich Helleborus auch ideal für die Grabbepflanzung. Sie kann sowohl direkt auf das Grab gesetzt als auch dekorativ mit anderen Stauden oder Gräsern in einer Schale arrangiert werden. (GMH/BdS)